Hackday-Thema · Yayoi Kusama
Consumed by Dots:
Eine interaktive Selbstauslöschung
Ein interaktiver Sketch, in dem ein Schwarm aus Punkten dem Cursor folgt oder gezielt Objekte aus Yayoi Kusamas Welt überwuchert, bis diese sich im Muster vollständig auflösen.
Das Artefakt
Das Artefakt nimmt das Prinzip der Akkumulation und der „Self Obliteration“ (Selbstauslöschung) aus Kusamas Werk auf und übersetzt es in ein interaktives, digitales System. Wer mit der Maus über die Fläche fährt, zieht einen Schwarm aus Punkten nach sich. Auf Knopfdruck erscheinen gezielt Objekte auf der leeren Fläche, auf die sich der Schwarm stürzt. Die Punkte heften sich an die Form, sammeln sich an und verdrängen das ursprüngliche Motiv. Ist das Objekt vollständig von Punkten überwuchert, verblasst es und löst sich auf – die Punkte haben das Bild übernommen.
Der Sketch lässt sich weitreichend über GUI-Elemente steuern: Parameter wie die Spawn-Rate, Bewegungsgeschwindigkeit, Transparenz und das Farbschema lassen das Bild zwischen sanftem Wuchern und aggressivem Schwarmverhalten oszillieren.
Bezug zu Kusama
Der besondere Fokus dieser Arbeit liegt auf Yayoi Kusamas Konzept der „Self Obliteration“. In ihren Werken und Performances lässt sie alltägliche Gegenstände, Räume und oft auch sich selbst unter einem unendlichen Muster aus Polka Dots verschwinden. Das ursprüngliche Objekt verliert seine Identität und wird zum bloßen Träger des Musters.
Dieser Sketch greift genau diese Ästhetik auf. Die Formen, die in der Interaktion auftauchen – Pferde, Kürbisse, Tentakel und menschliche Figuren (die Kusama selbst repräsentieren) – sind wiederkehrende Motive in ihrem Schaffen. Auch die wählbaren Farbschemata (wie Yellow & Black oder Red & White) sind typische Kusama-Paletten. Das Zusammenspiel aus starkem Kontrast und der unaufhaltsamen Multiplikation der Punkte führt dazu, dass das Objekt visuell ausgelöscht wird. Ich habe mich an vielen ihrer Werke orientiert, um in ihrem Stil meine eigene, interaktive Abwandlung zu erschaffen.
Wie die Interaktion funktioniert
Das System hat zwei grundlegende Zustände: den Maus-Modus und den Objekt-Modus.
Im Standard-Modus folgen die kontinuierlich generierten Punkte der Mausbewegung. Über die GUI lassen sich dabei die Eigenschaften des Schwarms wie die collectionDistanz, die movementSpeed und die spawnRate in Echtzeit anpassen.
Durch Drücken der Taste „T“ wird der Objekt-Modus ausgelöst. Ein zufälliges Motiv (Mensch, Pferd, Tentakel oder Kürbis) erscheint auf dem Canvas. Die Punkte ändern sofort ihr Ziel und schwärmen auf das neue Objekt zu. Erreichen sie die collectionDistanz, bleiben sie an der Form kleben. Das System zählt im Hintergrund mit: Sobald eine kritische Masse an Punkten (objMaxDots) am Objekt haftet, beginnt es zu verblassen (objAlpha nimmt ab). Ist das Objekt unsichtbar geworden, wird es gelöscht, die anhaftenden Punkte werden wieder freigegeben und das System kehrt in den Maus-Modus zurück.
Drei Stationen einer Genese
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01
Vorstufe
Absicht:Erste Versuche einen Raum zu schaffen, der im 2D erstellt wurde, aber eine räumliche Tiefe suggeriert.
Geschehen:Beim Bewegen der Maus bewegt sich der Raum. So entsteht der 3D-Effekt.
Mitnahme:Das Bedienen der mittleren Fläche mit Elementen ist erstmal einfach, allerdings ist durch die Schrägen der Randteile das Befüllen mit Elementen schwer, da dafür sehr viel Mathematik nötig ist.
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02
Vorstufe
Absicht:Erste Versuche, einen Raum zu schaffen.
Geschehen:Durch das Spawnen von Punkten aus der Mitte wirkte der Sketch, als ob er immer weiter auf einen zukommt.
Mitnahme:Bei einer höheren Konzentration von Punkten auf einem Fleck wirkt es so, als ob diese Stelle näher an einem ist, als die Stellen mit weniger Punkten. Das erzeugt ein Raumgefühl, obwohl es sich um eine 2D-Darstellung handelt.
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03
Finaler Sketch
Absicht:Verbindung von dem Kunststil von Kusama mit einem interaktiven System, das die Prinzipien Halluzination, "Polka Dots" und „self-obliteration“ aufgreift.
Geschehen:Eine aktive Verfolgung von Punkten, die man zwar mit "T" auf Objekte ablenken kann, aber denen man auf Dauer nicht entkommen kann.
Mitnahme:Durch die Kusama-typischen Farben ist der Sketch sofort als eine Hommage an sie erkennbar. Durch die Interaktion mit den Punkten, die sich immer weiter vermehren, entsteht ein Gefühl von Überwältigung, das die self-obliteration sehr gut vermittelt. Es ist faszinierend zu sehen, wie aus einfachen Punkten ein komplexes Muster entsteht, das die ursprünglichen Formen vollständig überdeckt und auslöscht.
Erkenntnis
„Ich habe gelernt, weniger im Code und mehr in Formen zu denken. Wenn man in simplen Formen denkt, stellt man fest: Selbst hochkomplexe Konstrukte bestehen letztlich nur aus vielen Kleinigkeiten. Geht man diese einzeln an, verlieren sie ihre Schwere und lassen sich fast mühelos in Code übersetzen.“